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Alles selber ausprobiert

Published in der Zeitschrift GIT-Sicherheit, Ausgabe 4/2017

Deister Electronic will dem gereiften Markt der digitalen Schließtechnik neuen Schwung verleihen

Identifikation und Sicherheit für Gebäude, Menschen und Gegenstände - damit befasst sich deister electronic seit rund vier Jahrzehnten ausgesprochen erfolgreich. Als Head of Business Development vertritt Nicolas Stobbe heute die 2. Generation des von Ingenieur Anatoli Stobbe als RFID-Pionier gegründeten Unternehmens. Matthias Erler von GIT SICHERHEIT sprach mit Nicolas Stobbe über jüngste Entwicklungen auf dem Markt der digitalen Schließtechnik, auf das Familienunternehmen bereits seit vielen Jahren mit dem System doorLoxx präsent ist.

GIT SICHERHEIT: Herr Stobbe, das Jahr 2017 schreitet bereits mit Siebenmeilenstiefeln vor­an - und die Security 2016 liegt schon wieder ein paar Monate zurück. Lassen Sie uns trotzdem daran anknüpfen - immerhin haben Sie sogar für ein spezielles Produkt unseren GIT SICHERHEIT AWARD dort abgeräumt: in der Kategorie D für den Feldstärke-Anzeiger POC. Sagen Sie noch mal kurz, was es kann?"

Nicolas Stobbe: Es ist ein kleines Produkt mit einer großen Wirkung. Gerade für unsere Errichter-Partner, die das täglich machen, bringt das eine ganz erhebliche Zeitersparnis und Erleichterung des Installationsaufwandes. Service, Wartung, Installation und andere Dienstleistungen sind ja ein großer Bestandteil der Arbeit unserer Partner. Die Zeitersparnis durch den POC ist deshalb sehr relevant in der Praxis - und sie hilft dabei, die Dienstleistung profitabler zu machen. Wenn Sie etwa ein Weitbereichs-system zur Fahrzeugerkennung installieren, zeigt unser POC an jeder Stelle im oder am Fahrzeug die Feldstärke des UHF­-Weitbereichsfeldes an. Ein normaler Feldmesser zeigt nur an, wie stark ein Feld ist - aber nicht, ob das Feld stark genug ist, damit der Transponder verlässlich funktioniert. Der POC leuchtet nur dann auf, wenn die gemessene Feldstärke auch stark genug ist für einen Transponder - dann weiß ich: Hier funktioniert er. Das Gerät ist ausgesprochen erfolgreich - die Nachfrage hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen."

GIT SICHERHEIT: Sie hatten uns ja auf Ihrem Stand ein wenig herumgeführt - dabei wurde mal wieder deutlich, wie viele Bereiche Sie mit Ihren Ideen und Entwicklungen abdecken - sogar eine Schlüssel­Lösung für Windkraftanlagen war dabei... Welche Märkte halten Sie denn selbst für die für deister vielversprechendsten?"

Nicolas Stobbe: „Als einen der für uns interessantesten Märkte derzeit sehen wir die ganze Welt der Offline-Zutrittskontrolle, der digitaler Schließkomponenten, an. Dieser Markt geht jetzt in die zweite bzw. dritte Runde - das heißt, es wird jetzt vielfach die Hardware ersetzt, die beim Aufkommen der digitalen Schließsysteme installiert wurden. Wir treffen jetzt auf Kunden, die mit diesen Systemen ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben, auf Unternehmen und Anwender, die auf Grund dieser Erfahrungen heute selbst besser verstehen, was ihnen wirklich wichtig ist."

GIT SICHERHEIT: Mit welchen Features bzw. Argumenten können Sie auf diesem Markt überzeugen?"

Nicolas Stobbe: „Zunächst ist für uns bei der Entwicklung von digitalen Schließsystemen von Vorteil, dass wir nicht wie andere Firmen aus der Mechanik kommen und uns die Elektronik angeeignet haben, sondern umgekehrt. Wir kommen aus der Elektronik - und das ist ja die eigentliche Hochdisziplin auf diesem Gebiet. Was unsere Produkte betrifft: Es gibt eine Reihe von Themenfeldern, die aus unserer Sicht ausgesprochen praxisrelevant sind und für die wir überzeugende Lösungen haben. Eines davon ist die Batterielaufzeit. Nach der Erfahrung vieler Kunden ist sie viel geringer als viele Hersteller es in Aussicht gestellt haben. Unsere eigenen Batterien testen wir selbst.
Wir können die fünf Jahre Laufzeit also tatsächlich versprechen - und wir versprechen nur, was wir halten können. Wichtig auch: Wir binden unsere Kunden nicht an unsere eigenen Batterien - sie können die Batterien selbst beziehen. Auch das ist eine Kostenfrage. Die Lesertechnik in Form einer Leserkappe lässt sich auswechseln, weil sie vom Rest getrennt verbaut ist."


GIT SICHERHEIT: Vermutlich bringt Sie auch Ihr breit aufgestelltes Produktportfolio in eine für den Kunden interessante Position - Stichwort Integration?"

Nicolas Stobbe: Die digitale Schließtechnik ist keine Insel, das stimmt. Die Integration von Gewerken - also etwa Zutrittskontrolle, Video, Schlüsselmanagement, etc. - ist ja der Trend der Trends. Das passt zu unserer Strategie, ein sehr breites Produktportfolio abzubilden, so dass wir alles was mit einem digitalen Schließsystem verbunden ist, zusammen aus einer Hand gesamtverantwortlich übernehmen können. Der Kunde braucht lediglich einen kompetenten Ansprechpartner für alle Lösungen. Mit unseren Systemen begleiten wir unsere Kunden vom Betreten des Geländes bzw. Einfahrt mit dem Fahrzeug an - bis zur Verwaltung und Kontrolle der Bewegung von Personen im Gebäude selbst. Unterwegs begegnet man überall unseren Produkten: Online-Leser, digitale Schließelemente, Schlüsselmanagementsysteme für aufbewahrte Assets, Fahrzeugschlüssel, etc., Tore mit Weitbereichsidentifikation bis zum Verlassen des Gebäudes: Jetzt prüfen wir mit unserem Wach- und Werkschutz, ob Türen und Fenster geschlossen sind, die Kaffeemaschine aus ist, etc. Es geht also um ganzheitliche Gebäudesicherung, die vollständig in unserer Software abgebildet ist."

GIT SICHERHEIT: Nehmen das Ihre Partner und Kunden so wahr?"

Nicolas Stobbe: „Das tun sie - ablesbar an den Nachfragen nach integrierten Lösungen. Partner und Endkunden wissen aus eigener Erfahrung, dass eine Problemlösung umso schwieriger ist, je mehr Ansprechpartner sie haben. Das liegt daran, dass man oft nicht weiß, wo der ursprüngliche Fehler liegt, wenn man mit vielen Systemen unterschiedlicher Herkunft arbeitet. Schon die Installation einheitlicher und integrierter Lösungen ist erheblich leichter. Alles was mit einem digitalen Schließsystem verbunden ist, kann deister aus einer Hand gesamtverantwortlich übernehmen."

GIT SICHERHEIT: „Sie sprachen ja von den jetzt anfallenden ersten Runden der Modernisierung der ersten digitalen Schließsysteme. Geben Sie uns ein paar Beispiele, welche Aspekte die Kunden aufgrund ihrer Erfahrungen heute anders sehen - und wie Sie das lösen?"

Nicolas Stobbe: „Zunächst einmal entwickelt sich die Technik ja kontinuierlich weiter - das gilt vor allem für die Lese- und Verschlüsselungstechnologie. Wir haben deshalb bei deister z.B. die digitalen Schließkomponenten so entwickelt, dass man die Lesertechnik in Form einer Leserkappe auswechseln kann, weil sie vom Rest getrennt verbaut ist. Unsere digitalen Schließkomponenten können also ohne weiteres etwa von Mifare Classic auf Bluetooth wechseln - dafür brauchen wir nicht die ganze Schließkomponente auszutauschen, sondern eben nur die Lesekappe."

GIT SICHERHEIT: „Sie arbeiten ja ausschließlich mit Partnern zusammen - die Sie aber intensiv technisch unterstützen. Wie kommt das bei den digitalen Schließ- bzw. Zutrittskontrollsystemen zum Tragen?"

Nicolas Stobbe: „Solche Projekte sind selten Erstinstallationen, sondern es geht meist auch um Migrationsaufgaben - und gerade auf diesem technisch höchst anspruchsvollen Feld können wir unsere größten Stärken ausspielen. Das weiß auch der Markt und davon profitieren unsere Partner, wenn es um die Umsetzung komplexer und vor allem auch sicherer Projekte geht. Wie arbeiten die vorhandenen Systeme mit dem neuen zusammen? Wie kriege ich es hin, dass die Mitarbeiter ihre Ausweise behalten können? Wie programmiert und beschreibt man Karten? Hier braucht es ein erhebliches Fachwissen über die Migration von Systemen - und das bringen wir als RFID-Pioniere mit. Die Praxistauglichkeit und Zuverlässigkeit testen wir übrigens auch uns selbst - auch das ist ein großer Vorteil."

GIT SICHERHEIT: „Wie kann man sich das vorstellen?"

Nicolas Stobbe: „Die Kunden von deister-Produkten sind ja vielfach von unserer eigenen Art und Größe. Das bedeutet natürlich auch, dass wir die gleichen Problemstellungen haben wie sie. Wir installieren deshalb unsere Produkte zu allererst bei uns selbst hier in Barsinghausen und testen sie intensiv in der Praxis. Die eigenen Mitarbeiter sagen uns sofort wo es klemmt. Wir probieren also unsere Medizin immer erst selbst. Mit dieser Strategie haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, denn wir haben dieselben „Pain Points" wie unsere Endkunden."

GIT SICHERHEIT: „Lassen Sie uns schließen mit einer kleinen Vorschau auf den weiteren Verlauf des Jahres. Was haben Sie noch vor?"

Nicolas Stobbe: „Wir werden weiterhin organisch wachsen und den Schwung, den wir 2016 erlebten, fortsetzen. Wir haben ein sehr starkes Exportjahr hinter uns, haben international viel investiert und auch unser Personal ausgebaut. Ein neues Thema ist für uns das Thema Cloud - hier arbeiten wir an einer eigenen Lösung, die wirklich sicher ist."

GIT SICHERHEIT: „Das lässt aufhorchen ...."

Nicolas Stobbe: „Wir wollen die Problematik angehen, dass viele ja ein Unbehagen spüren, wenn es um Cloudlösungen geht. Wir werden zu diesem Thema bald ein eigenes Konzept vorstellen. Bei diesem Konzept - so kann man vielleicht knapp zusammenfassen - ist es gleichgültig, wo die Daten liegen, denn wer sie anzapfen würde, könnte nichts damit anfangen. Im Ergebnis werden wir eine sichere Lösung zur Steuerung unserer Produkte über eine Cloud haben."