Elektronische Schlüsselverwaltung für den Offenen Jugendvollzug Göttingen, GIT Sicherheit + Management 3/2013, Seite 16

Der Gebäudekomplex mit seinen 97 Haftplätzen macht nicht den Eindruck eines streng bewachten Gefängnisses: Vergitterte Fenster oder Mauern sind keine prägenden Elemente des Offenen Jugendvollzugs Göttingen. Hier finden sich jugendliche und heranwachsende Männer, die erstmals eine Jugendstrafe verbüßen - im Höchstfall sind das dreieinhalb Jahre. Dennoch ist die Sicherheit baulich und technisch gewährleistet. Dazu gehört jetzt auch ein elektronisches Schlüsselverwaltungssystem von deister electronic.


Zwei offene Vollzugsabteilungen gibt es an der Jugendanstalt Hameln. Auf dem gleichen Gelände - ebenfalls der JA Hameln angeschlossen - befindet sich die Jugendarrestanstalt Göttingen mit 20 Arrestplätzen. Die verschiedenen Vollzugsabteilungen, ein Schulgebäude, die Werkhalle mit Ausbildungsstätten, ein großer Sportbereich und weitere Nebengebäude sind auf dem großen Areal verteilt. Das Leben in Wohngruppen, aber auch vielfältige Möglichkeiten der Ausbildung sowie zur Sport- und Freizeitgestaltung sollen die jugendlichen Straftäter auf ein straffreies Leben nach der Entlassung vorbereiten. Der Offene Vollzug und die Jugendarrestanstalt bieten den Jugendlichen also viele Chancen - gleichwohl handelt es sich um Sicherheitseinrichtungen mit entsprechenden baulich-technischen Anforderungen.


Hochsicherheitsschlüssel
An die Firma deister electronic wurde die Aufgabe herangetragen, die mechanische Fachanlage durch ein elektronisches Schlüsselverwaltungssystem zu ersetzen. Die Hochsicherheitsschlüssel müssen jederzeit vor unberechtigten Zugriffen gesichert sein, damit die Zugangsberechtigung in unterschiedliche Bereiche des Geländes auch jederzeit nachvollziehbar ist. Der Auftraggeber wünschte sich, dass die Identifizierung der Bediensteten über das vorhandene Zeiterfassungssystem möglich ist. Die Kontrolle und Aufsicht sowie eine lückenlose Dokumentation sollten dabei rund um die Uhr mittels einer Überwachungs-Software in der Pforte garantiert werden. Eine modulare und damit jederzeit erweiterbare Bauweise würde das Bedarfspaket abrunden.


Erweiterbares Verwaltungssystem
Erfüllt hat deister electronic diese Anforderungen mit seinem proxSafe flexx System mit 24 Höheneinheiten. Das Schlüsselverwaltungssystem ist mit 48 Steckplätzen ausgestattet und lässt sich nachträglich nach Bedarf um bis zu 192 Steckplätze erweitern. Um die erhöhten Sicherheitsanforderungen im JVA-Bereich zu erfüllen, nutzen die Vollzugsbeamten als Identifikation am Bedien-Terminal die Transponder der vorhandenen Zeiterfassung. Ein weiteres Identifikationsmittel ist somit überflüssig. Unberechtigte Zugriffe können so ausgeschlossen werden. Die sicherheitssensiblen Schlüssel werden mit Hilfe eines Einmal-Siegels an einem Key-tag - dem elektronischen Schlüsselanhänger - befestigt. Jede Bewegung und Nutzung der KeyTags wird dabei automatisch und sicher protokolliert und archiviert. Alle Vorgänge werden detailliert mit Datum, Uhrzeit und Personalnummer des jeweiligen Bediensteten gespeichert. Die Überwachung der Anlage erfolgt mit der Software Commander 3 über einen PC in der Pforte.


Effektiv und ohne Zeitverlust
Die zügige und automatische Schlüsselausgabe ist jetzt rund um die Uhr effektiv und ohne Zeitverluste gewährleistet. Alle Vorgänge wie die Schlüsselausgabe und -entnahme werden in der Commander-Datenbank und im Terminal protokolliert und sind jederzeit nachweisbar (im Ringspeicher sind bis zu 7.000 Ereignisse möglich). Nicht nur die Schlüssel der Vollzugsbeamten werden sicher verwaltet, sondern auch "Gästeschlüssel" wie z.B. für Nutzer der Sporthalle, die sich am Bedien-Terminal mit Hilfe eines PINs identifizieren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von anderen Haftanstalten haben die Möglichkeit, mit Hilfe ihres Transponders auf "Besucherschlüssel" zuzugreifen. Nur der für sie freigeschaltete Schlüssel kann entnommen werden, alle anderen Steckplätze bleiben fest verriegelt.


Der Pfortenbedienstete hat jederzeit den Überblick und die Kontrolle über die sensiblen Schlüssel. Eine Protokollierung ist innerhalb weniger Sekunden abrufbar. Der große Speicher des Terminals macht das System besonders betriebssicher. Selbst bei Netzwerkausfall werden Spannungsausfälle überbrückt. Das Personal wird bei gleichzeitiger erhöhter Sicherheit entlastet, der Verwaltungs- und Zeitaufwand minimiert und Betriebskosten verringert.