Martin Roth, Christoph Augenstein, Steffi Donath, Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Leipzig

Wo befinden sich meine Fässer? Wie können diese bei Reklamationen zurückverfolgt werden? Die Lokalisierung von Getränke-Mehrwegfässern (Kegs) ist für Getränkeunternehmen genauso relevant wie das Behältermanagement in der Logistik. Die Unterstützung derzeit manueller Prozesse mit RFID-Technik soll zu schnelleren Durchlaufzeiten und höherer Transparenz führen.


Das RFID-Labor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität Leipzig hat zusammen mit dem Einsiedler Brauhaus und Dresden Informatik ein Forschungsprojekt zum intelligenten Management von Getränke-Mehrwegfässern durchgeführt. Ziel war es, aufbauend auf den Erkenntnissen der Versuchs- und Lehranstalt für Brauereien in Berlin (VLB), die Verfolgung von Fassbier vom Erzeuger bis zum Getränkegroßhändler beziehungsweise zur Gastronomie mittels automatischer Prozesse zu optimieren. Damit wird eine Brücke von der innerbetrieblichen Logistik hin zur gesamten Wertschöpfungskette geschlagen und die Transparenz insgesamt deutlich erhöht. Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts ist die Einbeziehung des Getränkegroßhandels (GFGH) geplant, um die Wertschöpfungskette vollständig mittels RFID zu unterstützen.


Typisch für das Einsiedler Brauhaus ist der Transport von zwei mal zwei Paletten á sechs Kegs, sprich 24 Kegs gleichzeitig. Bei der Pulkerfassung stellte sich einerseits das Problem, das manche Fässer komplett verdeckt sind, andererseits eine Lesereichweite von 2,20 Meter notwendig war. Metallfässer und Flüssigkeiten, die typisch für die Getränkelogistik sind, erschweren die Situation zusätzlich. Das Problem der Pulkerfassung aller Kegs en zu lösen, stand daher im Vordergrund.
Durch die Lösung werden folgende Vorteile erzielt:

  • Beschleunigte Prozessabwicklung durch Pulkerfassung der Kegs und medienbruchfreie digitale Erfassung des Leergutes und des Warenausganges
  • Reduzierung der Umlaufzeiten der Kegs
  • Verbesserter Wartungs- und Instandhaltungszyklus durch Wareneingangskontrolle bei der Leerguterfassung
  • Reduzierung des Fassschwundes
  • Verbesserte Bestandserfassung
  • Reduzierung der Reklamationen und Erleichterung der Reklamationsbearbeitung

 

Die Notwendigkeit der Pulkerfassung und der hohen Lesereichweite erfordern den Einsatz von UHF-Transpondern, obwohl bei diesen die Effekte durch Metall und Flüssigkeiten  stärker zu Tage treten. Nach intensiver Prüfung verschiedener Transponder und Gate-Reader wurden ein Transponder von Harting zur Verschraubung am Fass und eine Reader/Antennen-Kombination von Deister Electronic für die Gates ausgewählt. Der Transponder ist robust genug, um den Umweltbedingungen (minus 30 Grad Celsius bis plus 60 Grad Celsius, Feuchtigkeit und Witterungsbedingungen) zu genügen sowie den Waschvorgang und dens teilweise rauen Einsatz zu überstehen.


Der vor Ort durchgeführte Test bestand aus dem Mehrfachdurchlauf des Reinigungs- und Abfüllprozesses der Fässer und der Prüfung der Leserate bei der Erfassung der gefüllten Kegs  an der Abfüllstrecke. Weiterhin wurde der Verladeprozess durch die Gabelstapler am Warenausgang getestet. Die RFID-Lösung erzielte an allen Messpunkten eine 100-prozentige Leserate der 24 Kegs, unabhängig von der Materialbeschaffenheit und der Ausrichtung der Fässer auf der Palette. Bezüglich der Lebensdauer der Transponder kann aufgrund des kurzen Betriebes noch keine Aussage getroffen werden. Der Verladeprozess durch die Gabelstapler lässt sich in gewohnter Geschwindigkeit aufrechterhalten. Die Qualität des Prozesses kann im Vergleich zum bisherigen Ablauf verbessert werden. Fehlbelieferungen des Kunden werden vermieden.