Reportage: RFID in der Intralogistik, Ausgabe September 2014 | RFID im Blick, Seiten 56/57

Christoph Hötter, Key Account Manager, deister electronic GmbH, im Interview mit Anja Van Bocxlaer, "RFID im Blick".

Was gehört alles dazu? RFID-basierte Ladungsträger-Identifikation, Bestimmung von Stell- und Lagerplätzen, Stapler-Leitsysteme, Auftrags-Management, ERP- und LVS-Anbindung.
"Automatisierung bietet Unternehmen logistische Einsparpotenziale, die sie  im  internationalen Wettbewerb stark nach vorne bringen", berichtet Christoph Hötter, Key Account Manager, deister electronic GmbH. Dass Unternehmen sich im Aufbruch befinden und ihre Lagerhaltung auf die zukünftigen Anforderungen ausrichten, zeige nicht nur die wachsende Nachfrage nach RFID-fähigen Ladungsträgern innerhalb der letzten sechs Monate. Parallel seien auch leistungsstarke und zuverlässige Reader für die (Teil-)Automatisierung von Flurförderzeugen zunehmend gefordert. 
"Wir begleiten aktuell Projekte, die teilweise einen hohen Grad an Komplexität und Umfang aufweisen. Der Aufwand steht aber in keinem Verhältnis zu dem Benefit, den RFID-basierte Warenkommissionierung dank Bestandstransparenz und automatisierten Prozessen für Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der  Lieferungen bietet - erfolgreich abgeschlossene Projekte gehen als Motivator voran."

Schneller ROI auch bei komplexer Integration

Hinter den Prozessen der Lagerhaltung steckt eine sehr komplexe Logistik. Unabhängig von Lagerart und Lagergröße müssen Stell- und Regalplätze sowie die Bewegung von Produktionsmitteln und Produkten optimal verwaltet werden, um den steigenden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden: kürzere Lieferzeitanforderungen und schnelle Lieferbereitschaft.
"Diese Logistik erfordert folglich auch eine sehr komplexe Intelligenz, die den Betrieb koordiniert", erklärt Christoph Hötter, Key Account Manager, deister electronic GmbH. "Sogar bei Unternehmen mit mehreren Millionen Euro Umsatz im Jahr treffen wir auf Logistikprozesse, die noch immer auf Zettel und Bleistift basieren. Die Lagerwirtschaft in diesen Unternehmen ist entsprechend ineffizient. Daraus ergeben sich für die RFID-Integration sehr komplexe Anforderungen an den Integrator. Dennoch: Der ROI ist oftmals sehr schnell gegeben und der Invest rechnet sich wirtschaftlich in mehrfacher Hinsicht: Ausfälle und Prozessunterbrechungen sinken gegen Null, die Lieferbereitschaft steigt erheblich."

Invest vs. Wettbewerbsfähigkeit

Unternehmen werden sich immer mehr der Notwendigkeit bewusst, die Prozesse der Lagerhaltung den wachsenden Bedürfnissen anzupassen und auf die Zukunft vorzubereiten, so Hötter. „Nur ein Beispiel: Wir realisieren zurzeit ein Projekt für einen Automobilzulieferer, dessen Lagerwirtschaft nach wie vor papierbasiert ist. Aktuell befinden wir uns noch in der Vorbereitungsphase, aber es ist bereits ersichtlich, dass die Kosten der Umsetzung im sechsstelligen Bereich liegen werden - das steht aber in keinem Verhältnis zu dem Wettbewerbsvorsprung, den die RFID-Implementierung mit sich bringt und dem Risiko, in Zukunft nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. Unser Kunde hat es auf den Punkt gebracht: Wer jetzt handelt, hat entscheidende Vorteile. Und seine aktuelle Lagerbewirtschaftung hat zu hohe Ausfälle zur Folge, die am Ende nicht mehr wirtschaftlich begründbar - und vor allem vermeidbar - sind. Dagegen hat sich RFID als probates Mittel erwiesen, das, kompetent implementiert, die Fehlerquote nahezu auf Null senken kann."

Elf Sekunden pro Erfassung gespart

Gegenüber optischen Identifikationssystemen hätten sich die Vorteile RFID-basierter Identifikation in der Praxis letztlich in ganz pragmatischen Faktoren gezeigt, so Hötter: "Eine Kundenmessung ergab, dass die Identifikation von Paletten und Ladungsträgern mittels Barcode circa elf Sekunden länger dauert, als die RFID-basierte Erfassung. Darüber hinaus steigt bei optischen Systemen die Fehlerhäufigkeit durch Scannen des falschen Regalcodes erheblich. Wenn der Fahrer außerdem absteigen muss, weil der Barcode mal wieder an der falschen Stelle platziert ist, dann ist das nur ein weiteres von vielen alltäglichen Beispielen, das die Nachteile optischer Systeme deutlich vor Augen führt." In diesem Jahr gingen vor allem viele große Lebensmittelhändlerdazu über, ihre Behälter und Paletten mit RFID-Transpondern auszustatten, um den Warenfluss zu automatisieren. "Diese Großprojekte sind ein deutliches Indiz für das große Optimierungspotenzial logistischer und intralogistischer Prozesse mit RFID."

"Schnelle Lieferzeiten, null Fehler - die Vorteile von RFID liegen auf der Hand!"

Welche Kriterien entscheiden darüber, ob eine RFID-Lösung für Unternehmen infrage kommt?
Am Anfang des Projekts muss ein Proof-of-Concept stehen. RFID erbringt dann den größten Benefit, wenn die Technologie systematisch und gezielt in Logistikabläufe eingebunden wird. Das setzt aber voraus, sämtliche Prozesse im Vorfeld auf ihre Effizienz zu analysieren, um Schwachstellen der manuellen Lagerwirtschaft klar benennen zu können: Wie hoch ist der Zeitaufwand des jetzigen Systems für die Abwicklung der Prozesse? Aber auch: Wie hoch ist der Ausschuss und die Fehlerquote?
Die Anzahl der Unternehmen, die RFID-Projekte in der Pipeline haben,
nimmt stetig zu. Wie lautet Ihr Ratschlag an Unternehmen, die ihre Prozesse noch nicht auf RFID-Tauglichkeit untersucht haben?

Meine Empfehlung ist ganz klar: Jetzt starten. Wenn Unternehmen die mögliche Prozessoptimierung mittels RFID außer Acht lassen, bleiben vorhandene Potenziale ungenutzt. Die Technologie bietet ihnen die Chance, an den Stellschrauben zu drehen, die im Wettbewerb entscheidend sind: schnelle und fehlerfreie Lieferung, Kostenreduktion, langfristige Planbarkeit. Insbesondere in Deutschland nehmen wir eine Tendenz wahr, dass Unternehmen zu lange abwarten. Das kann unterschiedliche Gründe haben, beispielsweise eine kurzfristige Planung oder Angst vor Investitionen. Dazu kann ich nur sagen: Nachhaltige Prozessoptimierung gehört zu den Hausaufgaben zukunftssicherer Lagerwirtschaft.
Wie unterstützt deister electronic seine Kunden auf diesem Weg?
Wir unterstützen unsere Kunden vor allem durch Verlässlichkeit, die sich in der Qualität unserer Produkte zeigt. Alle RFID-Komponenten von Deister sind made in Germany. Sowohl RFID-Reader für Flurförderzeuge, aber auch die weiteren Lösungskomponenten haben einen sehr hohen Grad an Kompaktheit und Industrietauglichkeit gemäß der Industrienorm IP67. Um die Installation am Flurförderzeug weiter zu erleichtern, sind bei Logident Reader und Antenne in ein Gehäuse integriert. Die Antenne muss weder getrimmt, noch regelmäßig nachjustiert werden, was die Prozesssicherheit steigert. Eine Vielzahl an Datenschnittstellen gewährt ein hohes Maß an Zukunftssicherheit.

„Unsere Kunden bringen es selber

auf den Punkt: Wer zu langsam

ist, hat Nachteile.“


Christoph Hötter
Key Account Manager logident
deister electronic GmbH

RFID auf Flurförderzeugen: Die Musterlösung für Lagerhaltung

RFID-basierte Warenkommissionierung beginnt bei der getaggten Palette. Auf dem Transponder lassen sich Informationen zu geladenen Waren hinterlegen, die in der interdisziplinären Logistik verwendet werden können. Mittels RFID-Reader identifiziert das Flurförderzeug beim Aufnehmen Palette und Ladung. Stell- und Regalplätze sind ebenfalls mittels Transponder gekennzeichnet, so dass Standortinformationen beim Abstellen automatisch mit den Ladungsträgerdaten verknüpft werden können. Alle relevanten Informationen - welcher Karton, welche Palette, welcher Standort - sind direkt abrufbereit und beispielsweise für Lagerarbeiter oder Staplerfahrer visualisierbar.
In einem Lager kann die Stellplatzdichte unter Umständen sehr hoch sein. Wie lassen sich False Positive Reads ausschließen?
Die Antwort besteht in der richtigen Kombination von Hardware und Software: Das Lesefeld des UHF-Readers ist nach vorne fokussiert und strahlt nicht zur Seite hin ab. Sollten sich dennoch Transponder im Lesefeld befinden, die nicht erfasst werden sollen, ist intelligente Software heute ohne Weiteres imstande, False Positive Reads zu filtern.
Verfügen die Reader über eine integrierte Software?
Wir installieren keine proprietäre Software onBoard, um unsere Kunden nicht in der Reader-Funktionalität einzuschränken. Die Reader lassen sich in alle gängigen ERP- und LVS- Systeme integrieren. Die integrierte Intelligenz im Reader kann zur aktiven Filterung von Daten genutzt werden.
Was müssen Anwender bei der Anbringung des Readers im Hinblick auf die Positionierung beachten, um eine fehlerlose Datenübertragung zu ermöglichen?
Natürlich müssen die physikalischen Gesetze beachtet werden, beispielsweise was den Leseabstand anbelangt, das gilt auch für UHF. Um einen optimalen Abstand zu den Transpondern an der Palette oder der Ladung zu erzielen, ist der Reader serienmäßig darauf ausgelegt, auch an Ameisenfahrzeugen mittig zwischen der Gabel angebracht zu werden, je nach Anwendungsfall auch oberhalb der Gabel. Dafür sind unterschiedliche Möglichkeiten zur Aufhängung vorhanden.
Ein Blick in die Zukunft: Wie wird automatisierte Steuerung von Flurförderzeugen die Logistik verändern?
Die Entwicklung von RFID-Anwendungen in der Logistik und konkret auf Flurförderzeugen geht dahin, dass Gabelstapler sich vollautomatisiert durch das Lager bewegen werden. Dem Lagerarbeiter kommt verstärkt eine überwachende Tätigkeit zu, während sämtliche Prozesse in der Logistik, Intralogistik, Warenlogistik und Warenwirtschaft durch automatisierte Flurförderzeuge abgewickelt werden. Bereits heute arbeiten moderne Logistikunternehmen mit Ameisenfahrzeugen, die automatisiert einem vorgegebenem Weg folgen und rund um die Uhr im Einsatz sind. Dieser Trend wird befeuert von Ökonomie und Kostenreduktion, was heißt, dass er sich weiter durchsetzen wird.